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Die Eiserne Garde ist das Werk eines einzigen Mannes: Corneliu Zelea Codreanu. Er hat in jedem Augenblick die Entwicklung der Bewegung bestimmt. Deshalb ist die Geschichte der Eisernen Garde ganz eng mit dem Leben und der Persönlichkeit dieses Mannes verknüpft und beginnt mit seiner Lebensgeschichte.
Gleich zu Beginn ist einem Einwand zu begegnen, der von interessierter Seite in der Weltpresse der damaligen Zeit verbreitet wurde: Codreanu sei gar kein Rumäne, er könne deshalb auch nicht als "C?pitan", als Volksführer angesehen werden. Oder solle etwa ein "Mischling aus deutschem, polnischem und rumänischem Blut" den Rumänen sagen können, was Rumänentum sei? Dieser Einwand stützt sich auf die Tatsache, daß die Mutter Codreanus eine geborene Brauner ist und der Vater erst im Jahre 1902 seinen polnischen Namen Zelinski in Zelea umwandelte. Dem ist einmal entgegenzuhalten, daß schon der Großvater Brauner im orthodoxen Glauben seiner Mutter Elizabeta (geb. Cernea), einer Volksrumänin, erzogen worden war, weil dessen Vater Adolf Brauner, ein gebürtiger Bayer, allem Anschein nach den Sohn nicht durch die Erziehung in seinem Glauben dem deutschen Volkstum erhalten wollte. Der Urgroßvater väterlicherseits ist im Buchenland unter polnischer Herrschaft gezwungen worden, seinen rumänischen Namen Zelea in Zelinski abzuwandeln. Seine und seiner Kinder Zugehörigkeit zur orthodoxen Kirche beweist seine rumänische Volkszugehörigkeit, denn Angehörige des polnischen Volkes gehörten im Buchenland der römisch-katholischen Kirche an. Der Großvater Neculai Zelinski erhielt wegen seines Berufes von seiner rumänisch sprechenden Umgebung den Namen Codreanu ("der Förster"), der im Laufe der Zeit zum Familiennamen wurde. Seinen Sohn ließ er auf rumänischen Schulen und Hochschulen zum Studienrat ausbilden.
Adoleszenz und Prägung
Corneliu Zelea Codreanu wurde am 13. September 1899 in Ia?i geboren. Entscheidenden Einfluß auf sein ganzes Leben hatte die Erziehung in der Militärschule "M?n?stirea Dealului", der er viereinhalb Jahre lang angehörte, bis er im Jahre 1916 nach der Kriegserklärung aus der Schule und von zu Hause fortlief und sich der Kompanie, in der sein Vater diente, zur Befreiung der unterdrückten rumänischen Brüder Siebenbürgens als Mitläufer anschloß, weil man ihn seiner Jugend wegen nicht als Freiwilligen annahm. Denn er wollte auf jeden Fall bei der Verwirklichung des großen Zieles helfen, für das sich die "C?pitane" des rumänischen Volkes in Siebenbürgen - Horia, Clo?ca, Cri?an und Iancu - geopfert hatten. Nach dem Rückzug der rumänischen Truppen an die Moldau bereitete er sich in der Militärschule Boto?ani auf den Offiziersberuf vor, aber der Friedensschluß setzte dieser Tätigkeit ein Ende. Codreanu verließ die Militärschule als Zugführer mit einem Zeugnis, das ihm ein sanguinisches Temperament, eine robuste Verfassung, militärische Haltung, vorbildliche Führung, tadellose sittliche Sauberkeit, einen gütigen Charakter und große Intelligenz bestätigte. Er selbst schreibt 16 Jahre später in seinem Buch Eiserne Garde, er habe von der Militärschule "M?n?stirea Dealului" für sein ganzes Leben ein gesundes Selbstvertrauen, Sinn für Ordnung, Disziplin und Verschwiegenheit, verbunden mit einem feinen Gefühl für soldatische Ehre, mitbekommen. Als im Frühjahr 1919 die Gefahr drohte, daß die Bolschewisten, die Bessarabien und die Moldau überschwemmt hatten, ins Land einfielen und ihnen von den weniger Gebildeten und den kampfesmüden Bauern kein Widerstand entgegengesetzt werden würde, sammelte er etwa 20 Schüler des Gymnasiums in Hu?i um sich und schwor mit ihnen gemeinsam, sie würden sich bewaffnet in den Wäldern versteckt halten und Widerstand leisten, um die Bolschewisten zu sabotieren und in den Rumänen die Hoffnung auf Befreiung wach zu halten. Hier zeigte sich zum ersten Male seine Befähigung, Menschen für eine nationale Aufgabe um sich zu versammeln und sie durch Eid an diese Aufgabe zu binden.
In der Bücherkiste seines Vaters hatte er die Artikel der Professoren Iorga und Cuza im Sem?n?torul und Neamul românesc gefunden, in denen der Nationalismus vor dem Kriege die Lebensfragen des rumänischen Volkes auf folgende drei Formeln gebracht hatte: 1.) Vereinigung aller Rumänen; 2.) die Hebung des Bauernstandes durch Bodenreform und Verleihung politischer Rechte; 3.) die Lösung der Judenfrage, was nichts mit Rassismus oder Antisemitismus zu tun hatte: Juden unterstützten die Umsetzung der kommunistischen Ideen in Rumänien, somit ging es hierbei lediglich um die rechtmäßige Sorgfalt für die Interessen und den Schutz der einheimischen Bevölkerung vor eventuellen antinationalen Aktivitäten seitens einer Minderheit. Der rumänische "Antisemitismus" - um ihn so zu nennen - entstand also aus der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Bolschewismus. Zwei Leitsätze standen am Kopf einer jeden nationalistischen Zeitung dieser Zeit: "Rumänien den Rumänen, nur den Rumänen, und allen Rumänen!" (N. Iorga) und: "Die Nationalität ist die schöpferische Kraft der menschlichen Kultur, und die Kultur ist die schöpferische Kraft der Nationalität" (A. C. Cuza). Mit diesen nationalistischen Ideen befruchtet, kam Codreanu im Herbst 1919 an die juristische Fakultät der Universität in Ia?i. Die ehrfurchtsvolle Erwartung, mit der er den alten geistigen Mittelpunkt des Rumänentums betrat, wurde sehr bald bitter enttäuscht. "Professoren, Studenten und Arbeiter waren gleichermaßen für die kommunistischen Ideen begeistert" (aus: Corneliu Zelea Codreanu. Eiserne Garde. Berlin: Brunnen, 1939. - Diese Quelle wird im folgenden nur noch zitiert als: Eiserne Garde). Die zahlenmäßig schwache nationale Studentengruppe, der sich Codreanu anschloß, barg keine Möglichkeit zu ernsthaftem Widerstand in sich, ebensowenig wie die kleine Gruppe nationalistischer Professoren unter Führung von Professor A. C. Cuza. Einzig ein Handwerker, Constantin Pancu, hatte mit der Gründung der "Garde des nationalen Bewußtseins" die ersten Schritte zur Schaffung einer Abwehrorganisation getan. Dieser schloß sich Codreanu an. Sein Leben teilte sich nun in den Kampf auf der Universität und in das Ringen um die Arbeiterschaft. Seine Tage waren angefüllt mit Versammlungen und Reden, Umzügen und Straßenkämpfen, bis zur Eroberung der staatlichen Tabakwerke und der Eisenbahnwerke in Nicolina durch die "Garde des nationalen Bewußtseins". Streikende Kommunisten hatten die Werke besetzt und auf der höchsten Stelle auf einem Schornstein die rote Fahne gehißt. Codreanu stieg persönlich hinauf und setzte an ihre Stelle die Nationalfahne.
Codreanus Kampf an der Universität
Aber der reine Abwehrkampf gegen die Kommunisten befriedigte ihn nicht. Er begann die Arbeiter in nationalen Syndikaten zu organisieren und gründete mit Pancu die Partei "Der national-christliche Sozialismus", die für König und Vaterland eintrat und als neue Forderungen Lohn nach der Kinderzahl, Beteiligung der Arbeiter am Unternehmen, eine progressive Einkommenssteuer, Bauern- und Handwerkerschulen auf dem Lande und den Bau von Krankenhäusern und Asylen verlangte. Doch nahm mit dem Schwinden der bolschewistischen Gefahr auch das Interesse der Bevölkerung an der "Garde des nationalen Bewußtseins" ab. Zu einem Aufbruch zu eigenen neuen Zielen waren die Rumänen noch in keiner Weise vorbereitet und aufgeschlossen. Codreanu wandte sich deshalb wieder stärker dem Kampf an der Universität zu, wo junge Menschen in den Kreisen der nationalen Studenten um neue Ziele rangen.
Auf dem ersten Studentenkongreß nach dem Kriege, der im Herbst 1920 in Klausenburg stattfand, wurde nach zweitägigem heißen Ringen der kleinen Iaºier Gruppe und einer gleichgesinnten Studentengruppe aus der Bukowina (Buchenland) unter Codreanus Führung die antibolschewistische Haltung in der gesamten rumänischen Studentenschaft durchgesetzt.
Im Herbst sollte das Semester auf Beschluß des Universitätssenats ohne religiöse Feier eröffnet werden, die von alters her Brauch war. Nachdem Codreanu mit einigen Kameraden vergeblich an die Türen der Professoren geklopft hatte, um eine Abänderung dieses Beschlusses zu erreichen, entschloß er sich, mit Gewalt die Eröffung des Semesters ohne Gottesdienst zu verhindern. Am frühen Morgen verbarrikadierte er zusammen mit einem Kameraden die Tür und verwehrte den sich versammelnden Massen den Eintritt, bis die Menge unter Führung eines Professors den Eingang stürmte und Codreanu für eine halbe Stunde zu ihrem Spielball machte. Zerschlagen, wie er war, erreichte ihn die Nachricht, daß die Kurse erst in drei Tagen mit einem Gottesdienst in althergebrachter Weise eröffnet werden würden. "Seit damals hat sich in mir der unaustilgbare Glaube verwurzelt, daß derjenige, der für Gott und sein Volk kämpft, wenn er auch allein steht, niemals besiegt werden wird" (Eiserne Garde). Als die kommunistischen Zeitungen Lumea und Opinia einen Artikel brachten, in dem der König, das Heer und die Kirche beleidigt wurden, zerstörte Codreanu ihre Pressen. Daraufhin schloß der Universitätssenat ihn ohne Untersuchung oder Verhör für immer von der Universität aus. Der Rat der juristischen Fakultät widersetzte sich unter Führung des Professors A. C. Cuza dieser Entscheidung. Als der Unversitätssenat weiterhin darauf bestand, erklärte sich die juristische Fakultät für unabhängig und zog ihren Vertreter aus dem Senat zurück. Codreanu wurde zum Präsidenten der Vereinigung der Jurisprudenzhörer gewählt. Unter seiner Leitung bearbeitete die Vereinigung in wissenschaftlicher Weise die Judenfrage, insbesondere den Einfluß des Judentums auf das geistige Leben Rumäniens anhand der umfangreichen Literatur, die seit B. P. Ha?deu, Vasile Conta, Mihai Eminescu, Vasile Alecsandri, A. D. Xenopol, Mihail Kogalniceanu, Simion Barnuiu und andere diese immer dringender werdende Lebensfrage des rumänischen Volkes gründlich behandelte. Bevor er im Sommer 1922 sein Lizenzexamen machte und damit die Hochschule verließ, gründete er die "Vereinigung christlicher Studenten", um die Fortführung der Arbeit an den Hochschulen auf eine breitere Basis zu stellen. Im Herbst ging er nach Berlin, um seine national-ökonomischen Studien zu vervollkommen. Am 10. Dezember 1922 überraschte ihn in Jena die Nachricht, daß sich die rumänische Studentenschaft geschlossen zum Kampfe erhoben habe. In den nächsten Tagen folgten Kundgebungen in Bukarest, Ia?i und Czernowitz, und am 10. Dezember hatte eine Versammlung von Delegierten der Studentenschaften aller Universitäten in Bukarest eine Reihe von Forderungen erhoben, in deren erster Reihe die nach dem numerus clausus stand. Man beschloß, solange in Streik zu treten, bis die Forderungen erfüllt sein würden. In mustergültiger Geschlossenheit wurde der Streik an sämtlichen Hochschulen des Landes durchgeführt. Codreanu empfand, daß er in dieser Zeit an die Spitze der Bewegung gehörte, besonders, da er erkannt hatte, daß eine Bewegung scheitern mußte, die sich nur auf die Universitäten stützte. Der Kampf sollte vielmehr auf das ganze Volk ausgedehnt werden. Zu diesem Zweck mußte eine einzige Organisation unter einheitlichem Kommando geschaffen werden, die den Kampf um die Regierung aufnehmen sollte, um an der Macht den numerus clausus durchzuführen und die anderen nationalen Probleme zu lösen, die die anderen Parteien nie in Angriff nehmen würden. Die Studenten in Czernowitz und Ia?i stimmten zu. In Bukarest hatte man sich in Verhandlungen mit dem Ministerium vormachen lassen, es handle sich nur um materielle Notstände, die abgestellt werden könnten. Die Pläne Codreanus stießen deshalb dort, ebenso wie in Klausenburg, auf Widerstand. Auch Professor Cuza lehnte zunächst das Ansinnen, sich selbst an die Spitze der zu gründenden Bewegung zu stellen, eutschieden ab. Erst nach tagelangem Widerstreben ließ er sich dazu drängen. Die Nachricht von der beabsichtigten Gründung der "Liga zu christlich-nationaler Verteidigung" zündete jedoch wie ein Blitz unter der Studentenschaft und dem ganzen Lande. Bei der Gründungsversammlung am 4. März 1923 wurde Cuza zum Präsidenten gewählt. Er ernannte Codreanu zum Organisationsleiter. Wenige Tage später wurde bekannt, daß die Regierung den heiß umstrittenen Artikel 7 der Verfassung abändern und damit die staatsrechtliche Stellung der Juden verbessern wolle. Als Codreanu umherreiste, um die Studentenschaft des Landes in Bukarest zu einer großen Kundgebung zu versammeln, wurde verlautbart, daß die Abänderung binnen drei Tagen vollzogen sein würde. Bei seiner Rückkunft nach Ia?i empfing ihn die Nachricht, daß den Juden das Bürgerrecht zugesprochen worden war. Er beschloß, diese Tatsache jedenfalls nicht ohne Protest hinzunehmen und berief eine große Protestversammlung in der Universitätsaula ein. Er erfuhr rechtzeitig, daß die Polizei die Kundgebung unterbinden würde und organisierte 14 kleine Versammlungen, die Ia?i zwei Tage lang in einem revolutionären Zustand hielten. Nach Ablauf der zwei Tage wurde Codreanu verhaftet. Er war niedergeschlagen, weil es die erste Verhaftung eines Nationalisten war, und seine Vorstellungen über Recht und Gerechtigkeit, ja der Glaube an die Berechtigung seines Kampfes ins Wanken geriet. Aber nach dem Osterfest ging der Kampf weiter. Die Regierung beschloß im Juni, die Universitäten, die seit Streikbeginn im Dezember 1922 leerstanden, von Gendarmen besetzen zu lassen und offenzuhalten, um das Ablegen der Prüfungen zu ermöglichen. Codreanu besetzte in Ia?i, zwei Tage vor der Eröffnung, mit 100 Studenten die Universität und ließ niemanden hinein. Das war das Fanal zum weiteren Kampfe, auch für die übrigen Universitäten. Die übrigen Studenten stürmten ebenfalls die bereits besetzten Hochschulen und erreichten, daß diese wieder geschlossen wurden. Das Halbjahr endete ohne irgendeinen Erfolg der gesamten rumänischen Studentenschaft, die mit vorbildlicher Geschlossenheit außerordentliche Opfer gebracht hatte. Ende August wurde in Ia?i ein Studentenkongreß unter den schwierigsten Umständen abgehalten. Beim Eröffnungsgottesdienst war die Kirche verschlossen und von Gendarmen bewacht. Die Studenten knieten vor der Kirche nieder und hielten ihren Gottesdienst auf der Straße ab. Die Universität mußte gestürmt werden, wurde aber sofort von einem ganzen Regiment umstellt, das die Auslieferung Codreanus forderte. Die Studenten verweigerten sich. Es gelang Codreanu, unerkannt die Universität zu verlassen. An den folgenden Tagen wurde der Kongreß außerhalb der Stadt abgehalten. Man beschloß die Fortsetzung des Streiks. Die Liga sollte unterstützt werden. Allen anderen politischen Parteien sagte man den Kampf an, weil sie "das Volk verraten" hatten. Auf diesem Kongreß freundete sich Codreanu mit dem Delegierten der Klausenburger Studenten, Ion Mota, an, in dem er den bedeutendsten Kameraden für seinen späteren Kampf gewann.
Vom Kongreß der Liga im Buchenland führte Codreanu eine Abordnung von 30 Bauern nach Bukarest zum Ministerpräsidenten, um ihn um Hilfe gegen die "Juden" zu bitten, die mit den Wäldern Raubbau trieben, und die Bauern mit den Löhnen und Holzpreisen in der unerhörtesten Weise bewucherten. Auch sie forderten die Einführung des numerus clausus auf allen Gebieten des rumänischen Lebens. In Bukarest wurden die Bauern auf dem Bahnhof von Studenten jubelnd begrüßt, aber auf dem Wege vom Bahnhof in die Stadt mußten sie drei Polizeiketten durchbrechen. Nach dreitägigem Warten im Vorzimmer drohte Codreanu, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen, wenn sie nicht vorgelassen würden. So kamen sie zu lonel Bratianu und trugen ihm in aller Ergebenheit ihre Bitten vor. Brâtianu hatte für sie nur die kühle Antwort: "Geht nach Haus und habt Geduld, ich werde in der Frage der Wälder eine Untersuchung einleiten lassen. Was den numerus clausus anbelangt, so ist es mir unmöglich, ihn in Rumänien einzuführen, solange ihn kein einziger Staat in Europa eingeführt hat" (Eiserne Garde). Verbittert und ohne Hoffnung auf Besserung fuhren sie wieder nach Câmpulung zurück.
Erkenntnis in der Gefangenschaft
Mota besuchte dort Codreanu und teilte ihm seine Bedenken mit: die Studentenschaft konnte nicht noch ein Semester lang den Streik durchhalten. Statt einer schmählichen Kapitulation nach vollkommener Zermürbung sollten sie lieber den Streik einstellen. Aber bevor sie ihn einstellten, müßten sie, die Führer, sich opfern, um ihrem Land ein leuchtendes Beispiel zum weiteren unerbittlichen Kampf zu geben. Sie würden fallen, aber vorher sollten sie diejenigen erschießen, die am Unglück des Volkes schuld waren. Codreanu stimmte dem Plane zu. Mit fünf anderen wollten sie ihn verwirklichen. Sie stellten eine Liste von Leuten auf, die sie erschießen wollten: in erster Linie wurden nicht Juden für schuldig befunden, sondern obenan standen die rumänischen Staatsmänner, die, statt das Volk zu führen, es an Ausbeuter verraten hatten und jede nationalistische Regung mit den schärfsten Mitteln unterdrückten. So kam eine lange Liste von amtierenden Ministern, Rabbinern, Bankiers und Schriftleitern zusammen. Alle Vorbereitungen waren getroffen. Bevor aber das Datum für die Ausführung festgelegt wurde, verhaftete man Codreanu und seine verschworenen Kommilitonen. Einer von den sieben selbst hatte sie verraten. Den ganzen Winter verbrachten sie gemeinsam im Untersuchungsgefängnis in V?c?re?ti. Hier erarbeiteten sie sich gemeinsam das Ideal des neuen Menschen. Hier wurden alle Pläne für die kommende Tätigkeit und ihre Organisation ausgearbeitet. Hier errangen sie gemeinsam eine Erkenntnis, die sie entscheidend von den Nationalisten der alten Schule trennen sollte: "Ein Land hat die Juden und die Führer, die es verdient" (Eiserne Garde). Das nationale Problem liegt viel tiefer, als es Professor Cuza je gezeigt hatte. Wer siegen wollte, mußte zunächst seine eigenen Fehler tilgen. "Aber bevor wir uns mit den Mängeln unseres Volkes beschäftigten, haben wir angefangen, uns mit unseren eigenen Fehlern zu befassen" (Eiserne Garde). Jeder Mensch hält sich selbst gern für vollkommen. "Aber wir sagen: zuerst müssen wir unsere Fehler kennen und sie ausmerzen, dann erst werden wir sehen, ob wir das Recht haben oder nicht, uns mit denen anderer zu beschäftigen" (Eiserne Garde). Es war also die Erkenntnis, daß ein neues Rumänien nur mit wirklich erzogenen und deshalb "neuen Menschen" aufgebaut werden konnte. Und sie erkannten auch, daß jede Erziehungsarbeit nur an einer Stelle wirksam begonnen werden kann: bei sich selbst! Die Gefangenen beschlossen also, eine Jugendorganisation "Erzengel Michael" - genannt nach dem Bilde des Erzengels Michael in der Gefängniskapelle in V?c?re?ti - mit der Bestimmung zu gründen, die gesamte rumänische Jugend zu erfassen und für das neue Rumänien zu erziehen. Alle rumänischen Jungen und Mädel müssen erfaßt werden, um sie vor dem entmoralisierenden Einfluß der politischen Parteien zu bewahren und andererseits die Parteien durch Entziehen des Nachwuchses zum Aussterben zu bringen. Diese Jugendorganisation sollte an die Liga angeschlossen werden, die weiterhin die Aufgabe haben würde, im politischen Kampfe die Macht des Staates zu erringen, ohne die man sich nicht durchsetzen kann. Die gefangenen Männer gelobten sich, beieinander zu bleiben und ihr ganzes Leben in den Dienst dieser Sache zu stellen. Denn "für uns war die in den Mauern von V?c?re?ti gefaßte Konzeption ein Lebensanfang, sie war etwas Neues, etwas Vollkommenes, sowohl als Idee und als Organisation wie auch als Aktionsplan, gänzlich verschieden von dem, was wir vorher dachten. Es war ein Weltbeginn. Eine Grundfeste, auf der wir bauen werden in späteren Jahren" (Eiserne Garde). Sie wollten zu allen Freunden gehen und ihnen sagen, daß das, was sie früher getan hatten, nicht falsch war, aber daß es einer vergangenen Welt angehöre, und daß sie jetzt alle zu einer großen Neuordnung aufbrechen müßten, die zum Siege führen würde. Anfang April 1924 wurden alle sieben freigesprochen, weil ein Komplott im juristischen Sinne nur dann gegeben ist, wenn auch der Termin zur Ausführung des Verbrechens festgelegt worden ist. Nur Mota, der den Verräter am Vortage der Verhandlung im Gerichtsgebäude zur Strafe niedergeschossen hatte, wurde in Haft behalten.
Codreanu kehrte nach Ia?i zurück und begann mit der Organisation. Bar jeder Mittel, rief er seine Kameraden zur Selbsthilfe auf: "Wir müssen den Mut und den Willen haben, vom Nichts her anzufangen" (Eiserne Garde). Am 8. Mai 1924 eröffnete Codreanu das erste rumänische Arbeitslager der Legion. In Ungheni wurden für das zu bauende Heim Ziegel gebrannt, in Ia?i wurde ein Garten bebaut, um billige Lebensmittel für das Lager in Ungheni zu schaffen. Aber am 31. Mai wurden die 50 Jugendlichen, die den Garten bestellten, bei der Arbeit umstellt und von dem Polizeipräfekten Manciu, der vom Innenminister den Auftrag hatte, die nationalistischen Strömungen in Ia?i auszurotten, verhaftet und gefesselt im Triumphzuge durch die ganze Stadt zur Polizeipräfektur geführt. Als die Jungen auf die Fragen des Polizeipräfekten nichts Verdächtiges aussagen konnten, wurden sie geschlagen, zum Teil auf die nackten Fußsohlen, bis diese vom unterlaufenen Blute schwarz wurden. Wenn sie schrien, wurde ihnen der Kopf ins Wasser gesteckt, damit man sie nicht höre. Gerade als Codreanu geschlagen werden sollte, erschienen Professor Cuza, ?umuleanu u. a. mit dem Staatsanwalt und dem Gerichtsarzt und ließen den Tatbestand aufnehmen. Dieser Akt setzte der Tätigkeit des Polizeipräfekten Manciu, der schon seit einem halben Jahr Ia?i tyrannisierte, die Krone auf. Die ganze nationale Presse des Landes war empört. Es wurden Prozesse geführt, Eingaben gemacht, Untersuchungen gefordert, auch an den König telegraphiert, nachdem Manciu eine Protestversammlung auseinandergetrieben hatte. - Codreanu ist niedergeschlagen. Er geht für anderthalb Monate ganz allein ins Gebirge. Aber er kommt aus seiner Verzweiflung nicht heraus: Wie ist es möglich, daß ein nationalistischer Kämpfer von den Behörden seines eigenen Landes und Volkes unausgesetzt gedemütigt wird? - Als er nach Ia?i zurückkehrte, wurde gerade das Ergebnis der gegen Manciu eingeleiteten Untersuchung bekanntgegeben: Manciu mit dem "Stern Rumäniens" dekoriert und alle Kommissare, die an den Mißhandlungen teilgenommen hatten, wurden befördert. Am 25. Oktober fand die Gerichtsverhandlung über die Klage eines der mißhandelten Studenten statt. Codreanu trat als Anwalt des Klägers auf. Mitten in der Verhandlung brach Manciu mit seiner Polizei in den Gerichtssaal ein und griff Codreanu tätlich an. Dieser erschoß Manciu in Notwehr und verwundete zwei Kommissare. Codreanu wurde verhaftet und in das Gefängnis nach Galata geschafft. In der öffentlichen Meinung des Landes begann nun ein heftiger Kampf um den Prozeß Codreanus, der die Aufmerksamkeit des ganzen Volkes auf sich zog. Der Prozeß wurde von Ia?i nach Foc?ani als der Hochburg der liberalen Partei und von hier wieder nach Turnu Severin ganz im Westen des Landes verlegt. 19.300 Personen ließen sich als Verteidiger Codreanus eintragen. Die gesamte Bevölkerung Turnu Severins demonstrierte für ihn. Nachdem er wieder einen ganzen Winter im Gefängnis gelitten hatte, wurde er am 26. Mai freigesprochen. Seine Heimfahrt nach Ia?i war ein einziger Triumphzug. Auch in den Dörfern und Bahnstationen der Walachei, in denen keine nationalistische Organisation bestand, hatten sich alle Einwohner auf den Bahnhöfen oder an der Strecke versammelt, um ihn zu begrüßen. In Bukarest war die ganze Straße Calea Victoriei voll von Menschen, die ihm und den Ia?ier Nationalisten zujubelten. Überall mußten Professor Cuza und er ein paar Worte sprechen. Das war die große Gelegenheit für die Bewegung Professor Cuzas. Codreanu schreibt: "Übrigens war in diesem Augenblick im ganzen Lande eine so starke nationale Strömung, daß die Liga die Regierung hätte übernehmen können. In diesen Tagen verstrichen die größten taktischen Momente dieser Bewegung ungenutzt, die niemals mehr wiederkommen werden. Professor Cuza verstand es nicht, die taktische Möglichkeit zu nutzen, die sich so selten in der Entwicklung politischer Bewegungen ergibt. Für jeden objektiven Beobachter, der den politischen Kampf kennt, wurde das Schicksal der Liga in diesem Augenblick besiegelt." (Eiserne Garde). Die folgende Zeit der "nationalen Konjunktur" war der Liga nur abträglich, da Professor Cuza die verschiedensten Elemente wahllos aufnahm nach dem Grundsatz: "In die Liga tritt ein, wer will, und bleibt, wer kann" (Eiserne Garde). Darüber kam es zu wiederholten Auseinandersetzungen zwischen ihm und der Vâcâre?tigruppe, die den moralischen Wert des Menschen in den Vordergrund stellte. Aber allerlei fremde Elemente, Politiker alter Schule, die der Vâcâre?tigruppe instinktmäßig feindlich gesonnen waren, scharten sich um Cuza und vergrößerten die Kluft zwischen ihm und den jungen Männern. Cuza ist ein Gelehrter, aber kein politischer Führer. Das zeigte sich immer deutlicher, obwohl zahlreiche gute Elemente in die Bewegung kamen, die ihr Ansehen vergrößerten, gewannen die schlechten mit ihrem persönlichen Ehrgeiz bald die Oberhand, und die Bewegung zerbröckelte früher, als man dachte, da seelische Einheit, straffe Organisation, planmäßige Erziehung und politische Führung in der Liga nie vorhanden waren. Die Parlamentsfraktion der Liga spaltete sich, und es begannen dauernde kleinliche Kämpfe zwischen den alten Führern. Um dem auszuweichen, beschloß Codreanu, zusammen mit seiner Gattin und Mota nach Frankreich zu gehen, um dort ihre Studien zu beenden. Das Heim ragte schon einige Meter hoch und konnte auch ohne ihre Hilfe fertiggestellt werden. Im Frühsommer 1926 fuhr Codreanu nach Rumänien, um sich für die Wahl der Liga zur Verfügung zu stellen. Nach einem vergeblichen Kampf um Bewegungsfreiheit im Kreis Foc?ani, in dem er sich als Kandidat der Liga hatte aufstellen lassen, fiel er bei der Wahl durch. Er fuhr wieder nach Frankreich zurück mit den Zweifeln: "Wie kann man siegen, wenn alle Regierungen Wahlen in dieser Art machen, indem sie Bestechung, Diebstahl und Staatsgewalt gegen den Volkswillen einsetzen?" (Eiserne Garde). Im Mai 1927 riefen ihn verzweifelte Briefe nach Rumänien zurück. Schlecht beraten, hatte Professor Cuza seine besten und würdigsten Mitkämpfer ohne weiteres aus der Liga ausgeschlossen. Derselbe Vorgang, der sich bei der Zusammenlegung der Organisationen der Liga mit der Nationalen Agrarpartei Octavian Gogas lange nach ihrer Vereinigung in der National-Christlichen Partei im Winter 1936/37 abspielte, trennte auch damals Cuza von seinen würdigsten Mitkämpfern. Die Anhängerschaft der Liga spaltete sich in zahlreiche Gruppen. Codreanu versuchte vergebens, wenigstens der Jugend die Einheit zu erhalten. Es herrschte das eine Interesse vor: Jeder wollte große Politik machen, ohne Rücksicht auf den Schaden, den die gemeinsame nationale Sache dadurch erlitt.
Codreanus eigener Weg
Nachdem so alles wieder verlorengegangen war, beschloß Codreanu, nun mit keiner Gruppe der Alten mehr zu gehen, sondern unter eigener Führung auf eigene Verantwortung die Jugend zu organisieren und den Kampf ohne Kapitulation fortzusetzen. Die Kameraden aus Vâcâre?ti hielten zu ihm, und mit ihnen gründete er auf der in Vâcâre?ti herausgearbeiteten weltanschaulichen Grundlage am 24. Juni 1927 durch Tagesbefehl Nr. 1 die "Legion Erzengel Michael". Ihr Programm war die Fortsetzung ihres Kampfes. Sie besaßen also kein ausgearbeitetes politisches Programm, mit dem sie andere von ihren Ansichten verstandesmäßig hätten überzeugen und für ihren Kampf gewinnen können. Das war beabsichtigt: "Denn wir haben uns nicht mit denen verbündet, die dasselbe denken, sondern mit denen, die dasselbe fühlen" (Eiserne Garde). Das war der erste Aufbruch der wirklichen Erneuerung, der auf der Erkenntnis beruhte, daß es schon zu viele gute Programme in Rumänien gab, die man aber nicht durchführen konnte, weil dazu die geeigneten Menschen fehlten. Ehe man also Programme aufstellte, mußte man zunächst neue Menschen so erziehen, daß sie selbstlos, uneigennützig und ehrlich ihrem Lande zu dienen bereit waren. Diese neuen Menschen würden auch in der Lage sein, alle politischen Anforderungen, die an sie gestellt würden, zu erfüllen. Deshalb kommt nur ein Mensch in ihre Reihen, "der unbegrenzt glaubt" (Eiserne Garde). Alle, die hinzukommen, weihen ihr Leben dem Kampf für die Legion und das rumänische Volk, so wie die fünf Männer es taten, als sie den aussichtslosen Kampf begannen: "Es interessierte uns nicht, ob wir siegen, besiegt werden oder ob wir sterben würden. Unser Ziel war ein anderes: gemeinsam vorwärtszugehen. Miteinander zu gehen, einig, Gott vor uns und das Recht des rumänischen Volkes; so wird uns jedes Schicksal willkommen sein, Niederlage oder Tod, es wird gesegnet sein und es wird Frucht tragen für unser Volk. Es sind die Besiegten und Toten, die ein Volk zum Leben erwecken
" (Eiserne Garde). Unter den Sprüchen, die Codreanu heraussuchte, um den Raum der Männer damit zu schmücken, ist jener von Seneca wohl der bezeichnendste für ihre seelische Haltung: "Wer zu sterben weiß, wird niemals ein Knecht sein." Sie waren vollkommen mittellos, so daß sie für ihr Leben gelernt haben, dem Materiellen bei der Beurteilung im Leben den ihm gebührenden Platz zuzuweisen: "In unseren Anfängen haben wir einzig die moralische Kraft im unabänderlichen Glauben gefunden, daß wir, wenn wir uns in die ursprüngliche Harmonie des Lebens begeben - Unterordnung der Materie unter den Geist -, alle Feindseligkeiten überwinden werden und gegen Teufelsmächte siegen werden, die verbündet sind zu dem Zweck, uns zu vernichten" (Eiserne Garde). Nachdem als erstes das Heim eingerichtet worden war, tauchte die Frage nach einer Zeitung auf, um ein Sprachrohr für die Ideen und Anliegen der neuen Bewegung zu haben. Vom 1. September bis zum 15. Oktober lief die "Schlacht" für die Zeitschrift Pamântul str?mo?esc (rumän. "Der Ahnenboden"). Alle Kräfte wurden auf diese eine Aufgabe konzentriert. Am Abend des 15. Oktober betrug die Abonnentenzahl 2.586, die Zeitschrift schien für ein Jahr gesichert. Am 8. November 1927 legten die ersten 26 Mann den Schwur der Legionäre ab. Jeder von ihnen bekam einen kleinen Beutel mit Erde, die von allen großen historischen Stätten des Landes zusammengetragen war, als Talisman, ein Brauch, der auf den Glauben an die mystische Kraft der Erde zurückgeht. Auch die Gruppen der "Kreuzbrüderschaft", die als Jugendorganisation der Liga an den Stadtschulen von Codreanu aufgebaut worden waren, fanden nach und nach den Weg zur Legion. Sie blieben selbständig innerhalb der legionären Bewegung und bildeten mit ihrer ständig wachsenden Zahl eine der Hauptstützen der Legion. Als zweite Aufgabe begann die "Autoschlacht". Nach 2 ½ Monaten konnte ein neues Lastauto in Bukarest für 240.000 Lei gekauft werden. Was hinter diesen Erfolgen an materiellen Opfern steckt, kann man ermessen, wenn man hört, daß zum Beispiel Codreanu seit 14 Jahren in keinem Theater, Kino oder Vergnügen gewesen ist. In den ersten zwei Jahren trieb Codreanu mit den wenigen Legionären Führerschulung. Er mußte zunächst einen Stamm von unbeirrbaren Leuten erziehen. Ende des Jahres 1929 begann die Führung an die Eroberung der Massen zu gehen. Dieser Schritt, der die Legion zu einer Partei im parlamentarischen System der Verfassung vom Jahre 1923 machte, blieb auf ihr Wesen ohne Einfluß: "Das Ziel des Legionärs ist nicht die Wahlschlacht, aber die Wahlschlacht ist von sehr großer Bedeutung, weil sie der einzige Weg ist, den uns das Gesetz zur Verfügung stellt, um jede gewünschte Veränderung im Lande vornehmen zu können" (Eiserne Garde). Ihre Betätigung als politische Partei veränderte nicht das Wesen der Legion, sondern die Methoden der Wahlpropaganda, zu denen die Legionäre griffen, wurden von ihnen vollständig umgewandelt. In ihren Propagandamärschen durch das Land, wurde kein politisches Programm verkündet. In geordneter Kolonne zogen die Legionäre abends mit Gesang durch die Dörfer und versammelten die Einwohner um ein Feuer. Zwischen gemeinsam gesungenen Liedern hielt ihr Führer eine Rede etwa folgenden Inhaltes: Wir haben euch nichts zu essen mitgebracht und keinen Schnaps. Dazu haben wir kein Geld. Aber auch wenn wir die Mittel hätten, würden wir es nicht tun. Wir wollen euch nicht besoffen machen. Mit Schnaps betäubt man die Not, aber man behebt sie nicht. Wir wollen das Elend des rumänischen Volkes beseitigen. Wir wollen das ehrlich, deshalb machen wir euch keine Versprechungen auf ein bequemes Leben, wenn wir an der Macht sein werden. Das Elend des rumänischen Volkes ist so groß, daß jeder hart arbeiten muß, wenn es beseitigt werden soll. Aber unser Land ist mit natürlichen Reichtümern gesegnet wie kaum ein anderes. Die Aufgabe kann gelöst werden, wenn die Staatsführung in der Hand von Männern liegt, denen allein das Wohlergehen des rumänischen Volkes als Richtschnur ihres Handelns dient. Sie werden harte Anforderungen an euch stellen, und deshalb brauchen sie euer Vertrauen, daß sie sich auf eure freudige Mitarbeit verlassen können. Eure Opfer brauchen wir, schwere Opfer, und deshalb werben wir nicht um eure Stimmen, sondern um euch selbst. Überlegt euch den Schritt wohl. Ihr nehmt damit Schweres auf euch. Aber es ist der einzige Weg, um aus unserem Rumänien ein schönes Land zu machen, in dem wir menschenwürdig leben können.
Diesen Reden gegenüber verfing das Mißtrauen und der Pessimismus nicht, dem sich ein großer Teil der Wählerschaft seit dem Versagen der National?r?nisten (rumän. "Nationale Bauern") in den Jahren 1928/29 ergeben hatte. Alle wußten, daß Mühe und Arbeit ein sicherer Weg ist, auf dem man es zu wirklichem Wohlstand bringen kann. Die einfache Logik, die ehrliche Offenheit und das ernste und sichere Auftreten der Legionäre erwarb ihnen Vertrauen, was sich in den steigenden Wahlerfolgen ausdrückte. So begann die Legion im Jahre 1930 auf dem verfassungsmäßigen Wege den Kampf um die Massen. Codreanu ritt aus praktischen Gründen mit 30 bis 100 Reitern Gefolge hinter sich von Dorf zu Dorf. Alle Reiter trugen grüne Hemden, Pandurenmützen und auf der Brust ein weißes Kreuz. Er selbst hatte ein Holzkreuz in der Hand. Die Bauern empfingen den Zug überall fast mit religiöser Ehrfurcht, und in allen Versammlungen muß das Erlebnis der Gemeinschaft so zwingend geherrscht haben, daß die Bauern wirklich innerlich erfaßt und auf immer für die Legion gewonnen wurden. Mit Fachkräften und spezialisierten politischen Programmen war der verfahrenen Lage Rumäniens tatsächlich nicht mehr beizukommen. Das hatte das Versagen Mancius an der Regierung deutlich genug bewiesen. Es mußte zuvor eine vertrauensvolle, opferbereite Gemeinschaft geschaffen und eine neue Generation herangezogen werden, auf deren Opferbereitschaft, Ehrlichkeit, Disziplin und Uneigennützigkeit unbedingter Verlaß war.
Die Eiserne Garde
Im Sommer 1930 sollte ein großer Marsch durch Bessarabien stattfinden mit dem Ziel, die kommunistische Herrschaft dort zu brechen. Um jeden Zusammenstoß der Legion mit dem Staat oder gar der Armee zu vermeiden, gründete Codreanu eine neue nationale Organisation, die "Eiserne Garde", zur Bekämpfung des Kommunismus. Sie umfaßte die Legion und auch jede andere Organisation von jungen Menschen ohne Unterschied der Parteien, die sich dem prorumänischen Kampfe anschließen wollten. Vom Innenminister Vaida erhielt Codreanu die Erlaubnis, mit sieben starken Kolonnen den Pruth zu überschreiten, das südliche Bessarabien zu durchziehen und sich in Tighina zu versammeln. Nach Bekanntgabe des Marschbefehles in der Zeitschrift P?mântul str?mo?esc begann ein unbeschreiblicher Hetzfeldzug gegen die "Eiserne Garde" in der Presse mit dem Erfolg, daß der Marsch am Aufbruchstag verboten wurde.
Um dieselbe Zeit drangen immer stärkere Hilferufe aus dem Maramuresch zu Codreanu. Er durchwanderte das Gebiet, um sich von dem unbeschreiblichen Elend zu überzeugen, und begann dann den Widerstand der Rumänen dort zu organisieren. Wegen eines mißglückten Anschlages eines jungen Nationalisten auf den Minister Angelescu wurde Codreanu verhaftet und wieder freigesprochen. Nach kaum dreijähriger Aktivität wurde die Legion bereits zum Staatsproblem. Vaida Voevod mußte als Innenminister abdanken, Mihalache ersetzte ihn. Dieser löste am 11. Januar 1931 die "Eiserne Garde" auf und ließ alle Führer der Garde verhaftet. Trotz der Versuche, sie unter allen Umständen ins Gefängnis zu bringen, wurden sie in allen drei Instanzen einstimmig freigesprochen. Zum drittenmal war Codreanu lange Zeit in Untersuchungshaft festgehalten worden, um letzten Endes doch freigesprochen zu werden. Obwohl das Gericht dreimal die Ungefährlichkeit der Organisation bestätigt hatte, blieb sie aufgelöst. Unter der Bezeichnung "Gruppierung Corneliu Zelea Codreanu" wurde im August 1931 im Kreis Neam der erste ernste Wahlkampf geschlagen. Codreanu konzentrierte 100 seiner Leute dorthin. Sie mußten als Tagelöhner bei den Bauern arbeiten, um leben zu können. Das Ergebnis bewies, daß das die wirksamste Propaganda war: die "Eiserne Garde" erhielt 11.300 Stimmen, während die Liberalen nur 7.000 und die Nationalþãrãnisten nur 6.000 Stimmen auf sich vereinigen konnten.
Nach vier Monaten begann der zweite Wahlkampf in Tutova, einem Bezirk, in dem die "Eiserne Garde" bislang schwach war. Mitten im Winter zog Codreanu seine Leute im Kreis zusammen. Die Bukarester Legionäre kamen in einem zehntägigen Fußmarsch nach Bârlad. Die ganze Gendarmerie wurde dieses Mal aufgeboten. Es kam zwischen ihr und den Legionären zu regelrechten Gefechten und Belagerungen, die 24 bis 48 Stunden andauerten. Als die Parteien, die im Winter kaum ein paar Leute auf das unwirtliche Land hinausbringen konnten, ihre sichere Niederlage voraussahen, wurden die Wahlen verschoben, die "Eiserne Garde" trotz des bestehenden Verbotes noch einmal von der Regierung Iorga verboten und alle Legionäre aus dem Kreis weggeschafft. Aber die Wahl am 17. April 1932 brachte doch den Sieg der "Eisernen Garde".
Im Juli fanden allgemeine Parlamentswahlen statt. Diesmal mußten sich die Legionäre über das ganze Land verteilen. Trotz aller Verfolgungen erhielt die "Eiserne Garde" 70.000 Stimmen and damit fünf Abgeordnetensitze. Herbst und Winter 1932 wurden dem Aufbau and Ausbau der Organisation gewidmet. Durch die zahllosen Angriffe in der Presse wurde die Legion allmählich im ganzen Lande bekannt. Viele wertvolle Einzelgänger und kleine Gruppen stießen zur Bewegung. Der Erziehungsarbeit in der Legion wurde wieder die allerschärfste Aufmerksamkeit gewidmet. Die Gegner der Bewegung begannen nun mit einem systematischen Verleumdungsfeldzug: "Die Garde wird von Mussolini finanziert!", "Die Garde wird von Ungarn, von Hitler finanziert - als Gegenleistung gibt sie Siebenbürgen auf!", "Große Falschgeldfabrik der Garde in R??inari!" (Eiserne Garde) - Das waren die Parolen, die auf eine einheitliche Lenkung des Verleumdungsfeldzuges schließen ließen.
Im Frühjahr 1933 formierte sich Echipa mortii (rumän. "die Todes-mannschaft"), zu einem Propagandafeldzug, der besonders Siebenbürgen propagandistisch erfassen sollte. Die Mitglieder dieser Gruppe waren bereit, in ihrem gewaltlosen Propagandafeldzug, alle Gefahren, sogar den eigenen Tod, im Kauf zu nehmen; daher auch der Name "Todesmannschaft". Sie hatten überall Zusammenstöße mit der Polizei. In Karlsburg wurden sie ohne Haftbefehl einfach eingesperrt. Ganz Siebenbürgen hörte von der "Todesmannschaft" und der legionären Bewegung. Der propagandistische Erfolg war groß.
Auf Bitten der Einwohner entschloß sich Codreanu, in Viani ein großes Arbeitslager abzuhalten, um das Dorf durch einen Damm gegen die jährlichen Überschwemmungen zu schützen. Am 10. Juli strömten 200 Legionäre in Viani aus allen Teilen des Landes zusammen, meist zu Fuß. Obwohl auch Ministerpräsident Vaida Voevod das Lager genehmigt hatte, wurden die Legionäre von einigen Kompanien Gendarmerie mit Maschinengewehren empfangen, eingekreist und regelrecht verprügelt. Man band sie mit Stricken und warf sie für vier Tage ins Gefängnis. Danach wurden sie alle wieder freigelassen, da zu einer Verhaftung kein Grund gegeben war.
Um dieselbe Zeit arbeitete Ion G. Duca, der sich mit seiner königstreuen Richtung in der Liberalen Partei durchgesetzt hatte, daran, mit dem Programm schärfsten Kampfes gegen die "Eiserne Garde", der von gewissen einflußreichen Kreisen in Paris gefordert wurde, seine Partei an die Regierung zu bringen. Gegen Ende des Jahres 1933 wurde er mit der Regierungsbildung und der Durchführung von Neuwahlen betraut. Er setzte die staatlichen Machtmittel, die er durch die Betrauung in die Hand bekommen und nach dem früheren rumänischen System mit seinen Parteigängern besetzt hatte, mit aller Gewalt gegen die Legion ein, so daß es zu zahllosen Zusammenstößen kam, die zum Teil auch tödlich verliefen. Schließlich verbot er am 9. Dezember 1933 die Legion unter gieichzeitiger Annullierung aller ihrer Wahllisten. In der Nacht zum 10. Dezember wurden im ganzen Lande alle Leute verhaftet, die sich irgendwie in der Legion betätigt hatten. Bis Ende Dezember über das Weihnachtsfest hin wurden sie ohne jeden Grund und ohne Haftbefehl festgehalten. Unter ihnen waren auch drei, die schon häufig bei Zusammenstößen mit den Staatsorganen verwundet and mißhandelt worden waren: Constantinescu, Belimace und Caranica. Auch sie wurden aus dem Bett heraus verhaftet, im mangelhaft bekleideten Zustand durchs Gebirge nach Focani gebracht und dort im Gefängnis mißhandelt. Da auch zwei Makedorumänen unter ihnen waren, die von Hause aus eine strenge Ehrauffassung besitzen and sich ihrer Haut mit der Waffe zu erwehren gewohnt sind, fuhren die drei nach ihrer Entlassung nach Sinaia, wo sie den verantwortlichen Ministerpräsidenten I. G. Duca am 29. Dezember 1933 auf dem Bahnhof erschossen. Sofort wurde wieder alles verhaftet unter dem Verdacht der Teilnahme am oder Anstiftung zum Mord. Erst im April 1934 wurden die übrigen freigesprochen, die drei Täter zu je zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Man nahm die Arbeit in den Nestern wieder auf, und im November 1934 wurde unter dem Vorsitz des greisen Generals Cantacuzino die Partei "Totul pentru ar?" (rumän. "Alles für das Land"), gegründet, deren Kern die Organisation der Nester der legionären Bewegung war. Codreanu hatte kein Amt in der Partei, sondern leitete die gesamte Bewegung weiter. Die Massenverhaftungen, der Prozeß und die scharfe Pressekampagne der Bukarester Tageszeitungen machten die Legion in einem Maße in Rumänien bekannt, wie sie es aus eigenen Mitteln nie hätte erreichen können. Viele ehemalige Mitglieder der Studentenschaft, die nun im ganzen Lande berufstätig waren, strömten als Studienräte, Ärzte, Rechtsanwälte, Priester usw. in die Partei und nahmen Führerstellungen ein. Überall im Lande begann jetzt die Erziehung in den legionären Arbeitslagern, angefangen von dem großen Unternehmen in Carmen Sylva am Schwarzen Meer, aus dem sich in den zwei Jahren seines Bestehens eine große legionäre Erziehungs- und Führerschule unter der Leitung von Codreanu entwickelte, bis hinunter zu den unzählbaren kleinen Arbeitsunternehmen, "?antiere", in denen einige wenige Legionäre kleinere gemeinnützige Arbeiten leisteten. Diese Arbeitslager, in denen alle Altersklassen und, vom Universitätsprofessor über sämtliche Berufe bin his zum Arbeiter- und Bauernsohn, alle Berufe Schulter an Schulter an der Bewältigung einer gemeinsamen Aufgabe arbeiteten, sind mit das wichtigste Erziehungsmittel der Legion geworden. Inzwischen arbeitete die Liberale Regierung unter T?t?rescu, der der Nachfolger Ducas geworden war, im Auftrage des Königs daran, der Legion den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem man von Staats wegen ihre Formen übernahm.
Zunächst begann man mit einer staatlichen pflichtmäßigen "vormilitärischen Ausbildung" aller Burschen vom 18. bis zum 21. Lebensjahr, die auch wirklich an zahlreichen Orten sonntags durchgeführt wurde, weil sie in den Händen der Armee lag und mit alten Unteroffizieren arbeitete. Sehr viel schwieriger wurde es mit der Durchführung schon, als man durch Gesetz vom 9. Mai 1934 "Str?ja arii" (rumän. "Die Landeswacht"), als Staatsjugend für alle Jugendlichen vom 7. bis zum 18. und bei den Mädchen bis zum 21. Lebensjahr verbindlich machte, soweit sie nicht den rumänischen Pfadfindern angehörten, deren Ehrenvorsitzender der König selbst war. Im Jahre 1936 wurden im Herbst alle Arbeitslager verboten, und die Regierung reihte in die vormilitärische Ausbildung ein Arbeitslager von drei Wochen Dauer ein. Da die jungen Männer gezwungen in diese Lager gingen, deren Führung in den wenigsten Fällen gut war, so war der Geist in diesen Lagern dem eigentlich erwünschten entgegengesetzt. In einem offenen Brief hob Codreanu hervor, daß man zwar die Formen nachahmen, sie aber nicht auf dem Verordnungswege mit dem rechten Geist beseelen könne, und daß man die Jugend auch nicht allein mit schönen Uniformen begeistern und zusammenhalten könne. Doch wurde die Organisation der Staatsjugend unter der lebhaftesten Anteilnahme des Königs tatkräftig weiter ausgebaut. Inzwischen gewann die Legion mehr und mehr Einfluß auf die Bevölkerung. Die zahllosen kleinen und großen Arbeitslager, ihre Propagandatätigkeit und ihr Anhang in der jungen rumänischen Intellektuellenschicht zusammen mit der ständig wachsenden Zahl legionärer Veröffentlichungen, Zeitschriften und Tageszeitungen machten sie überall bekannt und vergrößerten ihren Anhängerkreis fühlbar, besonders in den Kreisen der rumänischen Industrie und Wirtschaft, des Beamtentums und des Heeres, bis in die höchsten Stellen hinein. Um gerade diesen Kreisen Gelegenheit zur tatkräftigen Unterstützung der legionären Bewegung zu geben, gründete Codreanu Anfang des Jahres 1936 die Gesellschaft "Prietenii legionarilor" (rumän. "Freunde der Legionäre"), deren Mitglieder geheim blieben. Sie unterstützten die Legion mit Geld und wurden von ihr über alles Wissenswerte unterrichtet. Es erregte die Anteilnahme weiterer Kreise, als gegen Ende des Jahres 1936 bekannt wurde, daß der Präsident der Partei "Alles für das Land", der alte General Cantacuzino mit sieben führenden Legionären nach Spanien reisen wollte, um General Franco einen rumänischen Degen zu überbringen. Die sieben Legionäre sollten dann einen Monat lang "für die Verteidigung des Christentums gegen den bolschewistischen Antichristen" kämpfen. Bei diesen Kämpfen fielen am 13. Januar 1937 die beiden Legionärskommandanten Mota, auf dessen Initiative diese Unternehmung zurückging, und Marin. Ihr Tod hinterließ im ganzen Land den denkbar tiefsten Eindruck. Daß die führenden Köpfe der legionären Bewegung in einem fremden Land ihr Leben für die christliche Sache opferten, brachte dem rumänischen Volke zum Bewußtsein, wie stark, unerschütterlich und selbstlos der Glaube dieser Männer sein mußte. Die Heimfahrt der beiden Gefallenen wurde darum auch zu einer noch nie erlebten Kundgebung der Ergriffenheit des ganzen rumänischen Volkes. Es ist anzunehmen, daß der König bei den Beisetzungsfeierlichkeiten in Bukarest zum erstenmal die Größe des Einflusses und der Macht der Legion im Volke erkannt hat. Er sah darin mit Recht eine Gefahr für seine Absichten, nach dem Beispiel seines Schwagers Alexander von Jugoslawien, die Politik seines Landes direkt selbst zu bestimmen. Sein Standpunkt, in der Teilnahme der diplomatischen Vertreter von sechs Ländern an den Beisetzungsfeierlichkeiten in Bukarest einen Eingriff in die innere Politik seines Landes zu sehen, konnte sich nicht durchsetzen. Aber er veranlaßte den Ministerpräsidenten T?t?rescu zu scharfen innenpolitischen Maßnahmen. Der Justizminister und der Innenminister, deren Unfähigkeit man durch die Vorgänge beim Begräbnis Motas und Marins als erwiesen ansah, wurden Minister ohne Geschäftsbereich. T?t?rescu übernahm das Innenministerium, in dem eine Vertrauensperson des Königs, Marinescu, Staatssekretär wurde. Aufgrund der Ausschreitungen gegen den Rektor der Universitat Ia?i wurden alle Universitäten und Studentenheime geschlossen und die Studenten in ihre Heimat abtransportiert. Gleichzeitig wurde auf Wunsch der Regierung der Heilige Synod einberufen, der den Priestern jede Teilnahme an kirchlichen Feiern politischen Charakters verbot. Doch alle diese "Maßnahmen der starken Hand" des Königs, die auf die Herausbildung einer eigenen nationalen Linie gerichtet waren, mit der er das starke lebendige nationale Wollen der rumänischen Jugend einzufangen suchte, konnten den verstärkten Zustrom zur Legion nicht verhindern.
Am 24. Juni 1937 konnte Codreanu im Tagesbefehl feststellen, daß in den zehn Jahren ihres Bestehens, die Legion, unter seiner Führung, trotz allen Verfolgung und Untendrückung, von fünf Köpfen auf eine Million angewachsen sei.
Politische Erfolge
Anfang Oktober 1937 begruben die Legionäre den Vorsitzenden der Partei "Alles für das Land", General Cantacuzino. Als ruhmreicher Heerführer des Weltkrieges besaß er in allen Kreisen des rumänischen Volkes großes Ansehen und an seinem Katafalk lag neben dem Kranz des Königs der von Codreanu. Der Ingenieur Clime, Mitkämpfer seit den ersten Anfängen, Leiter des Arbeiterkorps in der Legion und Spanienkämpfer, übernahm die Leitung der Partei, die durch den Tod des Generals nichts an Werbekraft eingebüßt hatte. Im Gegenteil, in dem Pressekampf, der sich Mitte Dezember 1937 anläßlich des Prozesses um das Verbot der "Eisernen Garde" von 1933 zwischen N. Titulescu und der Anhängerschaft Ducas unter den liberalen Ministerkollegen entspann, bemühte sich jeder der beiden Teile, sich selbst möglichst zu entlasten. Inzwischen waren Neuwahlen zum Parlament wegen Ablauf der vierjährigen Amtsfrist des Ministeriums T?t?rescu ausgeschrieben worden. Der König hatte das Ministenium T?t?rescu mit der Durchführung der Wahlen betraut, es war deshalb mit der Wiederwahl T?t?rescus zu rechnen. Die Partei "Alles für das Land" beteiligte sich an den Neuwahlen. Codreanu schloß einen Wahlpakt mit Manciu und Gheorghe Br?tianu ab, der von den politischen Gegnern im In- und Ausland als Beginn einer ideologischen Annäherung vielfach mißdeutet worden ist. Dieser Pakt hatte einmal den Zweck, Ausschreitungen der Anhänger aller an ihm beteiligten Parteien zu verhindern und zweitens eine Einhaltung der verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte sicherzustellen. Da das rumänische Beamtentum mit jeder Regierung ausgewechselt wurde und aus Parteigängern der jeweiligen Regierungspartei bestand, die ein Interesse daran hatten, daß ihre Partei weiter an der Regierung blieb, hatte ein solcher Zusammenschluß seinen guten Grund. Die Wahlen am 20. Dezember 1937 brachten das bekannte aufsehenerregende Ergebnis, daß die Partei "Alles für das Land" mit 15,58 % oder 478.378 Stimmen an dritter Stelle hinter der Regierungsliste der Liberalen Partei mit 35,92 % und den National?r?nisten mit 20,4 % aller Stimmen aus dem Wahlkampfe hervorgingen. Dabei ist bemerkenswert, daß die Partei "Alles für das Land" in allen Landesteilen erfolgreich war und den Kern ihrer Anhängerschaft nicht nur in einigen der historischen Landesteile hatte. Der König sah, daß er mit den Mitteln der Regierung T?t?rescu das Vordringen der legionären Bewegung nicht aufhalten konnte. Er betraute, zum Erstaunen aller, die Nationalchristliche Partei, die 9,15 % aller Stimmen bei der letzten Wahl auf sich vereinigen konnte, mit der Regierungsbildung. Daß das keine endgültige Lösung sein konnte, mußte jeder wissen, der die Nationalchristliche Partei kannte: Sie versuchte durch ihre unsinnig schroffen, antijudaistischen und nationalistischen Maßnahmen die Partei "Alles für das Land" zu schwächen, der der Wahlerfolg ein weiteres starkes Anschwellen der Anhängerschaft eingebracht hatte. Ihre unsinnigen Maßnahmen waren ohne Erfolg. Codreanu wies gleichzeitig aufs schärfste die Behauptung zurück, daß hinter dem Wahlpakt mit Manciu der Anfang einer königsfeindlichen Politik der Legion zu sehen sei, und warnte die Kreise, die es anging, davor, die Krone zu einer Diktatur zu treiben, um sie nicht in Gegensatz zur Nation und dem Wege ihrer Bestimmung zu bringen. Im übrigen bedauerte er, daß die Regierung Neuwahlen ausgeschrieben hatte, denn sie würde doch nicht mehr als 30 % der Stimmen auf sich vereinigen können und keine Parlamentsmehrheit erreichen. Er betrachtete dies als unnütze Anstrengung, wiewohl er andererseits mit gutem Grund annahm, daß die legionäre Bewegung ihre Stimmenzahl verdoppeln würde. Es setzte ein sehr starker Zustrom in die Reihen der Partei "Alles für das Land" ein. Um eine straffe Gliederung zu erhalten, gründete Codreanu aus Anlaß der Trauerfeiern für Mota und Marin am 13. Januar 1938 den Orden "Mota und Marin", der nie mehr als 10.000 Legionäre umfassen sollte. Sein Wahlspruch lautete: "Todbereit", daneben gaben zehn Lebensregeln die Richtlinien für ihr Verhalten. Am 4. Februar 1938 gründete er das "Legionäre Korps ehemaliger Soldaten": "Die Aufgabe dieses Korps ist es, alle ehemaligen Soldaten Rumäniens um sich zu versammeln und zu organisieren, um aus ihnen eine Kraft zu bilden, die dem Siege des legionären Landes dient und zu gleicher Zeit eine erzieherische Kraft für die heranwachsende Jugend ist; so soll dieses Korps ein lebendes Bild von Heldenmut, Entsagung, Hingebung und Ordnungssinn sein" (Corneliu Zelea Codreanu, Rundschreiben und Manifeste). Ende Januar 1938 begann Codreanu alle Vorbereitungen für die mögliche Übernahme der Regierung zu treffen. Zur gleichen Zeit wurde er von mehreren unterrichteten Seiten vor einem geplanten Mordanschlag gewarnt. Die Regierung versuchte ihr Möglichstes, um ein weiteres Vordringen der Legion bei den nächsten Wahlen zu verhindern. Aber es war keine Aussicht auf ein Gelingen. Anfang Februar wurden zwei Legionäre im Wahlkampf erschossen. Goga und Codreanu einigten sich in einer Aussprache bei General Antonescu darauf, daß die Legion auf die weitere Beteiligung am Wahlkampf verzichtete. Der sofort einberufene Senat der Legion bestätigte diesen Beschluß. Dennoch war ein weiteres Anwachsen der Partei "Alles für das Land" mit Sicherheit zu erwarten, und die Nationalchristliche Partei hatte in der Regierung gezeigt, daß sie der Bewegung nichts entgegenzusetzen vermochte.
Der Köning greift nach der Macht
Da der König nicht mit der Legion zusammenarbeiten wollte, griff er zum letzten Mittel. Am 10. Februar 1938 trat die Regierung Goga zurück, und der König bildete ein neues Kabinett aus sieben ehemaligen Ministerpräsidenten unten dem Vorsitz des Oberhauptes der rumänisch-orthodoxen Kirche, des Patriarchen Miron Cristea, das damit alle Autorität des Landes in sich vereinte. Am 11. Februar erließen sowohl der König, wie auch der Patriarch einen Aufruf an das Volk, in dem sie eine nationale Politik in einzelnen Programmpunkten entwickelten. Es wurde eine Änderung der Verfassung angekündigt, die Wahlen verschoben und eine Reinigung und Festigung der Verhältnisse in der Beamtenschaft versprochen. Der König verhängte den Belagerungszustand über das ganze Land. Am 12. Februar faßte der Ministerrat unter dem Vorsitz des Königs unter anderem folgende Beschlüsse: Es sollte eine Kommission zur Änderung der Verfassung und eine zur Abänderung der Landesverwaltung Rumäniens eingesetzt werden; kein Staatsbeamter dürfte an irgendwelchen politischen Kundgebungen teilnehmen; der Patriarch sollte alle Einwohner von den Eiden entbinden, die nicht gesetzlich vorgeschrieben waren; kein Priester sollte mehr solche Eide abnehmen. Sofort wurden die Maßnahmen der Regierung Goga auf personellem Gebiete rückgängig gemacht. In der politischen Verwaltung des Landes wurden ausschließlich Stabsoffiziere als Präfekten eingesetzt. Am 16. Februar unterzeichnete der König das "Dekret zur Abänderung des Gesetzes über die Unterdrückung von Verstößen gegen die öffentliche Ordnung", das jede Art politischer Betätigung, auch im kleinsten Kreise, das Marschieren oder Singen von Marsch- oder politischen Liedern, öffentliche Versammlungen in jeder Form verbietet und allen, die in irgendeiner Form ihr Gehalt von öffentlichen Körperschaften beziehen, jede politische Betätigung oder auch nur die Teilnahme an Veranstaltungen solcher Art untersagt. Alle Mitglieder mußten binnen sieben Tagen aus ihrer Partei ausscheiden und binnen vierzehn Tagen eine Erklärung darüber abgegeben haben, ob und - wenn ja - welcher Partei sie einmal angehört haben. Wer die Erklärung verweigerte, wurde entlassen. Wer von den Staatsbeamten auch nur in erster Instanz aufgrund dieses Gesetzes verurteilt wurde, verlor seinen Pensionsanspruch. Jeder Freispruch und jede Außerverfolgungssetzung von seiten der Gerichte in Angelegenheiten dieses Dekretes mußten dem Justizministerium vorgelegt und konnten nur von diesem abgeändert werden. Am 17. Februar wurde das "Gesetz zur Erhaltung der Ordnung im Staat" in entscheidenden Teilen geändert und ergänzt. Am 19. Februar wurde der Belagerungszustand in Kraft gesetzt. Inzwischen begannen die neuernannten Minister auf ihren Fachgebieten entsprechende Maßnahmen zu treffen. Sie ließen über das Ziel keine Unklarheit: Beseitigung der legionären Bewegung. Um die Mitglieder nicht sinnlos zu gefährden und den Behörden zuvorzukommen, löste Codreanu am 21. Februar 1938 die Partei "Alles für das Land" auf und entband sämtliche Mitglieder von jeder Verpflichtung. Das legionäre Handelsunternehmen wurde liquidiert. Am 20. Februar erließ der König die neue Verfassung. Sie erschien am 22. in den Tageszeitungen. Der König hatte der Verfassung eine Proklamation vorausgeschickt, in der er seine Absichten mitteilt und den Erlaß der neuen Verfassung begründet. Der Inhalt der Verbesserungen, die die neue Verfassung bringen soll, und die den Forderungen der Oppositionsparteien, besonders der Legion, Rechnung tragen, kristallisiert sich um folgende drei Punkte: 1.) Zentralisierung und Festigung der Staatsmacht; 2.) ständische Volksvertretung und 3.) Sauberkeit des öffentlichen Lebens.
Da die Änderungen der Verfassung von 1923 nicht auf dem durch die Artikel 129/130 der alten Verfassung gebotenen legalen Wege vorgenommen wurden, sollten sie durch eine Volksbefragung legitimiert werden. Sie fand zwei Tage nach der Veröffentlichung der Verfassung in den Tageszeitungen statt. Sie war mündlich, öffentlich und obligatorisch, und die Fragestellung lautete: ja? oder nein?, wobei die Teilnahme an der Befragung teilweise mit Erpressungen erzwungen wurde. Am 27. Februar überbrachte der Ministerrat das Ergebnis der Volksbefragung dem König: von 4.303.064 Befragten hatten 4.297.581 mit "ja" und 5.483 mit "nein" geantwortet. Daraufhin trat die neue Verfassung am 27. Februar 1938 in Kraft.
Nach der Gliederung der neuen Verfassung und ihrer Anlehnung an die Verfassung vom Jahre 1923 könnte man zunächst vermuten, daß es sich auch hier um eine Verfassung im klassischen Sinne handelt mit straffer Gewaltenteilung und einer Gewährleistung von Grundrechten im klassischen Umfang. Das trifft aber nicht zu. Vielmehr hat auch verfassungsmäßig der König alle drei Gewalten weitestgehend in seiner Hand vereinigt. Die Exekutive untersteht ihm völlig. Er beruft den Ministerpräsidenten, unabhängig von anderen Gewalten, und die Regierung ist allein ihm verantwortlich. Er selbst kann aber in keiner Weise zur Verantwortung gezogen werden.
In der Legislative hat der König allein das Recht der Gesetzesinitiative. Er hat ein unbeschränktes Vetorecht. Ohne oder gegen seinen Willen kann also kein Gesetz erlassen werden. Die beiden gesetzgebenden Körperschaften treten nicht an einem kalendermäßig bestimmten Tage spätestens zusammen. Der König ist nur verpflichtet, sie einmal im Jahr einzuberufen. Das könnte am Ende des ersten Jahres geschehen, und die Kammern könnten dann sofort vom König vertagt werden. Wenn sie dann nicht vom König einberufen werden, würden sie sich erst wieder ein Jahr nach der Vertagung verfassungsgemäß versammeln. Es würden verfassungsmäßig die Kammern zwei Jahre lang überhaupt nicht zur Arbeit kommen. Vielmehr würde in dieser Zeit der König inhaltlich unbeschränkt alle gesetzlichen Maßnahmen durch Dekrete selbst vornehmen, zum Beispiel auch in allen Haushalts- und Budgetangelegenheiten. Zwar müssen diese Dekrete von den gesetzgebenden Körperschaften ratifiziert werden, aber da die Kammern keine bestimmte Tagungsdauer im Jahr mehr haben, können sie immer wieder um ein Jahr vertagt werden, ohne zu einem Beschluß kommen zu können. Und selbst wenn sie ein solches Königliches Dekret nicht ratifizieren, ist in der Verfassung nicht bestimmt, was daraufhin geschehen soll. Ist alles, was in der langen Zeit aufgrund eines königlichen Dekretes geschah, das inzwischen möglicherweise durch ein neues Dekret schon wieder aufgehoben worden ist, ist das alles als von Anfang an nichtig anzusehen? Sollte alles wieder rückgängig gemacht werden? Und was sollte dann geschehen? Denn die Kammern können ja ohne Initiative des Königs keine Gesetze votieren. Weiter können die Kammern auch niemanden für Maßnahmen, die aufgrund der Dekrete getroffen worden sind, zur Verantwortung ziehen, denn die Minister übernehmen zwar durch die Gegenzeichnung des Dekretes die Verantwortung, aber sie sind nur dem König verantwortlich. Andererseits ist die verfassungsmäßige Garantie der Justizmäßigkeit der Verwaltung fortgefallen. Es ergibt sich hieraus, daß die Kammern mit dem Mittel der Ratifikation gar nichts erreichen können, und weiter, daß der König auch verfassungsmäßig die legislative Gewalt darstellt. Daß die Todesstrafe in Friedenszeiten durch den Ministerrat und nicht durch die Kammern eingeführt wird, rundet das gewonnene Ergebnis nur ab.
Auf dem Gebiete der Rechtsprechung hat der König durch die Aufhebung der Unabsetzbarkeit der Richter, das heißt durch die Neuschaffung des Richterstandes nach königlichem Willen durch Dekret, einen ganz grundlegenden Einfluß genommen. Da er darüber hinaus durch den Justizminister und die Staatsanwaltschaft einerseits und durch den Erlaß von Dekreten mit Gesetzeskraft andererseits auf die Gestaltung der Rechtsprechung entscheidende Einflußmöglichkeiten hat, liegt damit auch die richterliche Gewalt weitgehend in seiner Hand, und die aus der alten Verfassung übernommene Garantie, daß der König in kein Gerichtsverfahren eingreifen dürfe, erhält dadurch ein anderes Aussehen.
Die neue Verfassung ist in sich außerordentlich widerspruchsvoll. Selbst wenn man die reinen Legionärsklauseln außer acht läßt, so beeinträchtigt die enge Anlehnung an die Verfassung vom Jahre 1923 die Klarheit über die Fragen der Zuständigkeit der einzelnen Gewalten. Alle drei Grundgewalten sind auch verfassungsmäßig, nicht nur tatsächlich, in der Hand des Königs vereinigt, der damit eine Alleinherrschaft über das Land ausübt, wie sie auch sein Schwager, Alexander von Jugoslawien, ebenfalls durch seine Verfassungsänderung vom 3. September 1931 herbeigeführt hat.
Cornelius Ende
Am 22. Februar 1938 sandte Codreanu an alle an der Unterzeichnung der neuen Verfassung beteiligten Minister ein persönliches Schreiben, in dem er unter anderem auf die Mißachtung des rumänischen Volkes hinwies. Das war die erste impulsive Stellungnahme Codreanus und der legionären Bewegung zu der neugeschaffenen Lage.
Codreanu ließ sich von seinem Vorhaben, allen Legionären eine Zeitlang Ruhe zu gönnen und selbst irgendwo in Ruhe den zweiten Band des Buches Eiserne Garde zu schreiben, abbringen und entschloß sich, den Kampf nicht zu unterbrechen, sondern bis zum Ende durchzukämpfen. Die Partei "Alles für das Land" sollte aufgelöst bleiben, der weitere Kampf von den Einheiten der Legion unter ihren alten Führern weitergeführt werden. Angesichts dieses Verhaltens entschloß sich die Regierung zu weiteren Maßnahmen. Die Frage der Bekämpfung der legionären Bewegung ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Gründe dafür gewesen, den größten Teil der Autoritäten aus dem Ministerrat wieder zu entfernen und sie als "Königliche Ratgeber" in einem neu gebildeten, in der neuen Verfassung noch nicht vorgesehenen Kronrat zusammenzufassen, den der König durch Dekretgesetz vom 30. März 1938 schuf. An demselben Tage erließ er auch das Dekretgesetz über die Auflösung politischer Parteien, die eine Neugründung nur unter den Bedingungen eines noch zu schaffenden Gesetzes gestatteten. Am 15. April verschärfte die Regierung in einer Neufassung das "Gesetz über die Aufrechterhaltung der Ordnung im Staat" und sah die Schaffung von Konzentrationslagern vor. Ostern 1938 schritt die Regierung dann zu Massenverhaftungen von Legionären in außergewöhnlichem Umfang. In der Nacht des Ostersonntags wurde Codreanu verhaftet. Am Dienstag nach Ostern wurde er bereits vom Militärgericht wegen Beleidigung des ehemaligen Ministers Iorga zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am 20. April faßte aufgrund des Berichtes über die Ergebnisse der Untersuchungen des Innenministers Calinescu und des Justizministers Iamandi der Ministerrat den Beschluß: die Partei "Alles für das Land", die "Legion Erzengel Michael", die "Eiserne Garde" sind und bleiben aufgelöst. Der Innenminister wird ermächtigt, Konzentrationslager einzurichten und alle Leute von sich aus in diese einzuweisen, die eine Handlung vorbereiten und unternehmen, die nach dem Gesetz zur Erhaltung der Ordnung im Staat verboten ist und die die Ordnung und Sicherheit des Staates gefährdet.
Am 26. Mai wurde Codreanu in einem inszenierten Schauprozeß, aufgrund gefälscher Dokumente, wegen Hochverrats vom Militärgericht zu zehn Jahren Zwangsarbeit, der schwersten möglichen rumänischen Strafe, und sechs Jahren Ehrverlust verurteilt. Ihm folgten eine Unzahl von Legionären in die Gefängnisse.
In der Nacht vom 29. zum 30. November 1938 wurde Corneliu Zelea Codreanu, zusammen mit dreizehn seiner Kameraden, auf Befehl des Königs Carol II. während der Überführung aus dem Gefängnis Râmnicul Sarat nach Bukarest-Jilava auf der Landstraße Ploie?ti-Bukarest von Gendarmen mit Halsschlingen erdrosselt.
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Mutti: Wie war Corneliu Codreanu im Privatleben?
Elena Codreanu: Er war eine sehr freundliche Person und zeigte sich so gegenüber allen Menschen. Ging es aber um ernste Dinge, dann war er selber ernsthaft und offenbarte eine Willenskraft, die von seiner Umgebung unbedingten Gehorsam forderte. Angesichts dieser Haltung erschien es unmöglich, ihm mit einer Absage, einem "Nein" zu begegnen. Man hatte zu gehorchen und zu folgen und seine Forderungen zu erfüllen. Schon seine Stimme verriet seinen Ernst und seine Willenskraft. Aber sonst war er durchaus liebenswürdig und warmherzig, und zwar gegenüber jedermann. Bekam er Geld, so verteilte er es umgehend an Hilfsbedürftige. Oft kehrte er heim und besaß nur noch das wenige, was ihm übriggeblieben war. Wenn er mit gar nichts nach Hause kam, zeigte er mir die leeren Hosentaschen und fügte hinzu: "Ich habe nichts mehr. Alles, was ich hatte, habe ich Bedürftigeren gegeben." Bei solchen Erklärungen wußte man ihm nichts zu antworten. Es gab da nichts zu sagen. Man mußte seine Entscheidung einfach akzeptieren. Er war barmherzig und zutiefst religiös, aber alle Frömmelei lag ihm fern. Zweimal am Tag betete er, und jeden Freitag wurde gefastet, wie man bei uns sagt "schwarzes Fasten", das heißt, es wurde absolut nichts gegessen und nichts getrunken. Manchmal fastete er sogar auch am Dienstag.
Mutti: Waren Sie bei der Exhumierung seines Leichnams anwesend? Wollen Sie darüber sprechen?
Elena Codreanu: Ja, ich war anwesend und wußte auch, daß ich damals vor einem Massengrab stand. Die Legionäre versuchten die Leichen, die im Grab durcheinander geworfen waren, herauszuheben. Die ganze Familie von Corneliu war anwesend. Nachdem einige Leichen bereits auf dem Grabesrand lagen, hörten wir einige Legionäre rufen: "Der Kapitan ist nicht zu finden! Wir finden den Kapitan nicht!" Aber auf einmal sah ich seine Bergschuhe, diejenigen, mit denen er von zu Hause fortgegangen war und die er im Gebirge zum Klettern gebrauchte. Ich sah diese Schuhe und sagte zu den Jungs: "Jetzt paßt auf, hier liegt auch Corneliu. Achtet auf jede eurer Bewegungen!" Und tatsächlich: Sie zogen ihn heraus, sie hatten auch ihn gefunden. Das Gesicht war von der Schwefelsäure oder von dem gebrannten Kalk, womit seine Mörder ihn übergossen hatten, zerstört. Das Erstaunliche aber war sein Körper: Zwar war er gelb wie Wachs, aber er wies keine einzige Veränderung auf, war völlig unversehrt trotz der zwei Jahre, die er in der Erde gelegen hatte. Wie gesagt, nur wo der Ätzkalk die Haut berührt hatte, oder die Schwefelsäure, waren die Folgen davon festzustellen. In dem Augenblick, da sie ihn aus dem Grab gezogen hatten, beugte ich mich über ihn und versuchte, ihm den Ehering vom Finger abzustreifen. Mit einiger Anstrengung gelang mir dies auch, doch da erhob meine Schwiegermutter Einspruch und rief mir zu, ihm den Ring, der sein Eigentum sei, zu lassen. Ich antwortete vor den anwesenden Menschen nicht, aber ich gehorchte meiner Schwiegermutter und steckte den Ring wieder an den Finger, wo er jedoch im vorderen Bereich hängen blieb. Dort ist er geblieben, und mit ihm wurde Corneliu erneut beerdigt. Ich erinnere mich deutlich: Sein Gesicht war zerstört und neben seinem Körper lag ein Handkoffer, in dem sich die wenigen Sachen befanden, die er aus dem Gefängnis Râmnicu-Sarat mitgenommen hatte. Dort hatte man ihm und seinen Leidensgefährten gesagt, sie sollten nur mitnehmen, was sie für einen einzigen Wäschewechsel brauchten, da sie sofort wieder zurückkehren würden. Sie würden nur zu einer Vernehmung gebracht und anschließend nach Râmnicu-Sarat zurückgefahren. Er hatte also neben sich einen Handkoffer, worin sich ein nach Bauernart genähtes Nachthemd aus Hanfleinen befand. Schlafanzüge trug er nie. Es fand sich noch Rasierzeug in diesem Koffer, ferner ein Handtuch und Leibwäsche zum Wechseln. Mehr nicht. Auch diese Sachen wurden mir bei einer späteren Hausdurchsuchung abgenommen und beschlagnahmt. (Bei diesen Worten beginnt Codreanus Witwe zu schluchzen, fährt dann aber fort:) Es war viel Volk, es waren viele Legionäre bei dieser Exhumierung anwesend. Auf eine an den Grubenrand gestellte Bahre wurde sein Leichnam gelegt, so wie man ihn aufgefunden hatte. Er blieb im selben Gewand, es wurden ihm keine neuen Kleider angelegt. Dann kam es zur Begräbnisfeier in der Kirche Gorgani, und anschließend wurde er in das "Grüne Haus" überführt. Es war ein erschütterndes Ereignis.
Mutti: Könnten Sie sich Ihre erste Begegnung mit Corneliu Codreanu ins Gedächtnis zurückrufen?
Elena Codreanu: Ich hatte das Gymnasium beendet, und meine Eltern wollten mir ein Geschenk machen. Ich war das älteste ihrer Kinder, und ihr Wunsch war es, aus mir eine Ärztin zu machen. Aber ich hatte keine Neigung zum Medizinstudium. Jedenfalls wollten sie mir zum Gymnasialabschluß eine Freude bereiten, die ich immer in Erinnerung behalten sollte. Mein Vater, von Beruf Eisenbahninspektor, hatte erfahren, daß eine Fahrt zum Kloster Putna, das Stephan der Große gegründet hatte, geplant sei und fragte mich, ob es mich freuen würde, an dieser Fahrt teilzunehmen. Da ich wußte, daß er mich begleiten würde, sagte ich sofort ja. Am Bahnhof in Jassy angekommen, fanden wir den Zug, der schon zur Abfahrt bereit auf dem Geleise stand. Sämtliche Waggons waren überfüllt; die einzigen Wagen, die nur wenig besetzt waren, trugen die Aufschrift "Studentenwagen", da man sie für die Universitätsstudenten reserviert hielt. Mein Vater schlug mir vor, einen dieser Wagen zu besteigen. Ich war jedoch ein wenig schüchtern und zögerte. Was hatte ich mit den Studenten der Universität gemeinsam, ich war ja eben erst noch Gymnasiastin? Schließlich stieg ich doch in einen dieser Wagen, fand einen Platz und setzte mich. Sogleich wurde ich gefragt, welche Fakultät ich besuche. Ich antwortete: "Keine!" Eben erst sei ich mit dem Gymnasium fertig geworden. Zwar beabsichtige ich, mich an der Universität zu immatrikulieren, doch sei ich, was die Fakultät anbelangt, noch völlig unentschlossen. Auch wisse ich nicht, in welcher Stadt ich mit dem Studium beginnen solle; ich sei noch unentschlossen, ob in Jassy oder Klausenburg. Während ich dies sagte, erschien draußen auf dem Gang ein Mann und trat an das geöffnete Fenster, das sich genau gegenüber der Tür unseres Abteils befand. Er war in Nationaltracht gekleidet und von hoher schöner Gestalt. Ich fragte meine Gesprächspartner: "Wer ist dieser Mann? Ist er auch Universitätsstudent, und gehört er zu euch?" Die Antwort war ein erstauntes: "Wie? Kennen Sie ihn nicht?" - "Nein", sagte ich, "woher soll ich ihn kennen?" - "Das ist Corneliu Zelea Codreanu!" Hätte man mir gesagt, das ist Ionescu oder Popescu, es wäre für mich dasselbe gewesen. Ich hatte tatsächlich noch nie von ihm gehört. Auf dem Gymnasium kannte ich nur meine dortigen Pflichten und Aufgaben, was sich außerhalb zutrug, blieb mir fremd. Ich wußte nichts von der Studentenbewegung, wußte nicht einmal, was sich auf der Universität von Jassy zutrug. Ich hatte keine Ahnung von Politik. Aber die Studenten berichteten mir nun, daß der Mann, nach dem ich gefragt hatte, der Führer der Studentenbewegung sei, daß ihm kommunistische Professoren der Universität immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt hätten und er erst nach deren Überwindung das Studium der Rechtswissenschaften beenden konnte. Jedesmal wenn der Zug in eine Station einfuhr und dort eine Zeitlang hielt, sah ich ihn aussteigen und am Volkstanz teilnehmen, der neben dem Gleis improvisiert wurde. Bei der Weiterfahrt stellte er sich dann jedesmal wieder an das gleiche Fenster. Da ging auch ich einmal hinaus auf den Gang, um die Landschaft zu sehen, die er betrachtete. Und so kam es, daß er mich plötzlich fragte: "Wer sind Sie, und wie heißen Sie? An welcher Fakultät sind Sie immatrikuliert?" usw. Es wurden mir erneut alle die Fragen gestellt, die ich in meinem Abteil bereits beantwortet hatte.
Mutti: Aber sind Sie ihm nicht schon vorher aufgefallen? Elena Codreanu: Nein, er hatte aus dem Fenster immer nur nach draußen geblickt. Er hatte vorher keinen einzigen Blick ins Innere des Abteils geworfen. Er sprach auch sonst mit niemandem, stellte mir allein die Fragen, die mir vorher schon die Studenten im Abteil gestellt hatten. Als ich ihm meine Absicht äußerte, das Studium in Klausenburg zu beginnen, bemerkte er: "Klausenburg ist gewiß nicht schlecht. Wäre es aber für Sie nicht besser, in Jassy, Ihrer Heimatstadt, zu bleiben?" - "Ich weiß noch nicht, ob es besser oder schlechter wäre", antwortete ich, "aber in Klausenburg leben ein Onkel und eine Tante von mir, die keine eigenen Kinder haben, daher wäre es für mich wohl besser, zu ihnen zu ziehen." Mittlerweile fuhr unser Zug im Bahnhof von Putna ein. In Putna hatte ein Empfangskomitee alle Vorbereitungen für unsere Ankunft getroffen, und dieses übernahm auch unsere Betreuung. Die Mädchen wurden in einer Grundschule untergebracht. Wo die Jungen ihre Herberge fanden, weiß ich nicht mehr. Am Nachmittag hatten wir gutes Wetter, die Sonne schien, und eine größere Gruppe von Personen versammelte sich, um zu jenem Kreuz zu gehen, von dessen Stelle, der Überlieferung nach, Stephan der Große den Pfeil geschossen hatte, der dann dort niederging, wo später der Altar des Klosters errichtet wurde. Corneliu trat nun im Gedränge des Aufbruchs auf mich zu und fragte, ob ich mit ihm zum Kreuz gehen wolle. Ich willigte ein. Unterwegs trafen wir hin und wieder meinen Vater, und schließlich erreichten wir den Ort, wo das Kreuz emporragte. Was er mir bei dieser Wanderung erzählte, weiß ich nicht mehr genau, doch dürfte der Inhalt des Gesprächs die Geschichte des Klosters Putna und die Taten Stephans des Großen gewesen sein. Es war ein ernstes Gespräch ohne irgendwelche Banalitäten. Und während wir uns dort oben unter der Menge bewegten, fanden wir einen umgestürzten Baum, den ein Blitz gefällt hatte. Auf seinem Stamm nahmen wir Platz und führten unser Gespräch weiter, doch kann ich mich leider nicht mehr genau erinnern, worum es dabei ging. Politik kam dabei auf jeden Fall nicht zur Sprache, allenfalls wurden Probleme der Universität und meines künftigen Studiums behandelt. Wohl war auch von dem Wunsch meiner Eltern die Rede, die es, wie gesagt, nur zu gerne gesehen hätten, wenn ich Medizin studiert hätte. Immer noch auf dem Baumstamm sitzend, wurden wir uns plötzlich bewußt, daß wir allein geblieben waren, daß sich die Menge aufgelöst und die Anhöhe längst wieder verlassen hatte. Da es Zeit für das Abendbrot war, sagte ich zu ihm: "Nun, wollen wir nicht aufbrechen und auch hinuntergehen? Es ist bereits Abend, und wir werden zum Essen erwartet, die werden für uns später nicht noch extra auftischen." - "Ja", sagte er, "wir steigen hinunter und beschleunigen unseren Gang." Er reichte mir die Hand, half mir aufstehen, und wir gingen zu Tal. Wir trafen im Speisesaal ein, als das Essen bereits im Gange war; so bekamen auch wir noch einen Platz und die für uns bestimmte Portion. Dann trennten wir uns und suchten zur Nachtruhe wieder unsere Unterkunft auf. Vorher aber fragte er mich: "Wann kann ich Sie wiedersehen, und wann werden Sie nach Klausenburg abreisen?" Ich antwortete ihm: "Vielleicht komme ich in Râpa Galbena vorbei, um zu sehen, was Sie da unten machen. Dann wäre es möglich, daß wir uns wiedersehen." Und damit war alles aus. Mein Entschluß stand nun fest, nach Klausenburg zu gehen; von Corneliu wußte ich, daß er im Herbst nach Deutschland fahren würde, um sein Doktorat zu machen. So immatrikulierte ich mich an der Klausenburger Universität für Literatur, Rumänisch und Geschichte. - Eines Tages war ich auf dem Weg von der Fakultät nach Hause zu meinem Onkel, da sah ich vor mir einen Bauern in der Mitte von zwei städtisch gekleideten Männern. Nach Statur und Größe zu schließen, glaubte ich Corneliu Codreanu vor mir zu haben. Aber wie konnte er hier sein, da ich ihn doch in Charlottenburg wußte? So trat ich jenem in Bauerntracht vor mir gehenden Mann gegenüber, um ihm ins Gesicht zu schauen, und stellte fest, ich hatte mich nicht getäuscht: Es war Corneliu Codreanu. Er blickte mich an, erkannte mich, verabschiedete sich von seinen beiden Begleitern und schloß sich mir auf meinem Heimweg an. Vielleicht wollte er sehen, wo ich wohnte, möglicherweise wollte er auch meinen Onkel kennenlernen und feststellen, ob es wirklich mein Onkel war und ob ich ihm die volle Wahrheit gesagt hatte. Mein Onkel war ein politisch engagierter Mann und arbeitete für die "Nationale Bauernpartei". Er war zudem ein angesehener Professor und in Klausenburg Schulinspektor. Nun lernte Corneliu ihn und meine Tante persönlich kennen. Auch sie war Professorin an der Lehrerbildungsanstalt und Schuldirektorin. Auf beide machte Corneliu einen vorzüglichen Eindruck. Er sprach mit meinem Onkel über Politik, aber meine Tante und ich befanden uns währenddessen in der Küche, und so weiß ich nicht, worüber genau gesprochen wurde. Wir luden ihn zum Mittagstisch ein, was er gerne annahm. Nachher verließ er uns wieder, um sich mit seinen Kameraden zu treffen. Wo, bei wem er in Klausenburg wohnte, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte er mit den Klausenburger Studenten eine Zusammenkunft. (Ion Mota war damals an der juristischen Fakultät der Vorsitzende der Studentenorganisation.) Es gab seinerzeit für die nationalen Studenten erhebliche Probleme, und um diese mit ihnen zu lösen, war Corneliu in die Heimat zurückgekehrt. Doch damals sagte er mir von all diesen Angelegenheiten, die ihn beschäftigten, nichts. An mein Ohr drangen lediglich Bruchstücke des Gesprächs, das Corneliu mit meinem Onkel führte. Genaues verstand ich nicht. Von meinem Onkel erfuhr ich später, daß Corneliu die Universität gewechselt hatte. Um sein Doktorat zu machen, verließ er Charlottenburg und zog nach Jena.
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